Prag

Hier mal ein Reisebericht meiner Reise nach Prag, Anfang März 2013. Viel Spaß.

Montag: Es war 20:41 Uhr und ich stand am wunderschönen Bremerhavener Hauptbahnhof mit einem Rucksack. Zuvor hatte ich mir darüber Gedanken gemacht, ob ich nicht vielleicht einen Koffer nehmen sollte. Aber ich bin ja keine Frau und nehme meinen halben Haushalt mit (Wie zum Beispiel eigene Decken und Kissen…)
Als der Zug dann ankam und Joshua in irgend so einem Nest zwischen Bremerhaven und Bremen zustieg konnte die wilde Fahrt auch schon beginnen. In Bremen angekommen ging es dann weiter nach Hamburg wo wie vorzüglich im Lokal “zur Goldenen Möve” unser Abendbrot verzehrten… Ich übertreibe mal wieder. vorzüglich war der Cheeseburger gar nicht, so dass ich mit dem Brot letztendlich die Tauben vor dem Bahnhof fütterte. Die freuten sich auch mehr über den Fraß als ich. Trotz dieser Parodie auf ein Essen war ich gesättigt und es konnte mit dem Nachtzug weiter nach Prag gehen. Leider war der Liegewagen kaputt, sodass wir dummerweise im viel komfortableren Schlafwagen nächtigen mussten. Die Trauer darüber hielt sich in Grenzen, da die Wagons Steckdosen hatten und ich mein iPhone aufladen konnte. Über Hannover, Berlin und Dresden ging es dann von Hamburg nach Prag. Fragt mich nicht, warum dieser Zug in diesem Zick Zack gefahren ist.

Dienstag: Wir waren Mittlerweile mit dem Zug in Tschechien und konnten die Schönheit der Überbleibsel der Ostblockzeiten betrachten. Kaputte Fabriken, ärmliche Dörfer in einer schönen Landschaft, mit Bergen und Flüssen zog am Fenster des Zuges vorbei. Mitten drin die gut renovierte Riverside School. Keine Ahnung, warum ich die jetzt erwähne. Fiel mir einfach ins Auge. Um halb 10 sind wir dann in Prag angekommen. In einer Bahnhofshalle, die den Charme einer Bahnhofshalle hatte… Naja, dieser Spruch ist relativ unpassend, aber sagen wir so: Es war einer der hässlichsten Bahnhöfe, die ich jemals gesehen habe. Gut, dass wir nach dem Geldwechsel auch diese Lokation schnell verlassen konnten. Das Geldwechseln ist ein leider notwendiges Verlustgeschäft, nur mal nebenbei bemerkt. Des Weiteren sehen die Frazen auf den Tschechischen Kronen ziemlich hässlich aus. Bleiben wir gleich beim Geld, denn dass schienen die Obdachlosen direkt vor dem Bahnhof nicht zu haben, sodass wir zur Begrüßung gleich mal angebettelt wurden. Weiter gingen wir dann zum Wenzelplatz, auf dem uns gleich die Schönheit Prags ins Auge fiel. Kunstvoll gestaltete gotische und romantische Häuser schmückten den Platz, der eigentlich aussah, wie eine große Straße, denn er war eher lang als platzförmig. Mit den romantischen Häusern meine ich übrigens die Architektur und die Epoche, allerdings kann man das auch anders interpretieren, da sich gerade am Wenzelplatz viele Caberets und Stripschuppen befinden. Dazu aber später mehr.
Wir erkundeten weiter die Stadt und waren am Platz des Republik angekommen, wo das wunderschöne Repräsentationshaus sofort auffiel. Nebenan der Pulverturm, dahinter ging es dann weiter zum Altstädter Ring, dem zentralen Platz in Prag, auf dem auch das bekannte Rathaus mit der astronomischen und wunderschönen Uhr steht. Auf diesem Platz ist übrigens auch ein Hardrock Cafe. Dort aßen wir einen Burger und es ging es danach weiter durch die engen Gassen, ruhigen Straßen, verkehrsreichen Straßen, bis wir irgendwann bei der Moldau ankamen. Dort hatten wir einen wunderschönen Ausblick auf die Karlsbrücke. Nun zogen wir uns auch mal endlich die Karte zu rate, um zu unseren Hotel zu finden. Dort angekommen checkten wir ein, packten die Rucksäcke ins Zimmer und erkundeten Prag weiter. Übrigens: Wir sind am ersten Tag nur zu Fuß durch Prag gegangen und sind immer da hin gegangen, wonach uns der Sinn stand. So hatten wir am Abend einen tollen Überblick über Prag und haben sehr viel erbummelt und gesehen. Am Abend waren wir dann im Repräsentationshaus und haben uns ein Konzert angehört. Die 4 Jahreszeiten, der Canon in D, der Ungarische Tanz und die Zigeunerweißheiten standen auf dem Programm. Wie kann auch den Obecní dům besser kennen lernen, wenn man nicht ein Konzert hört. Die Akustik der Räume war grandios und das Konzert wirklich toll. Es war wunderschön. Dementsprechend waren auch sämtliche Besucher angezogen. So schick gemacht, dass man fast dachte, dort gäbe es einen Dress Code: Und wir in unserem Pullover und Jeans. Naja. Ich hab nachgefragt, war kein Dress Code und von daher mussten wir uns Kleidung stilmäßig nicht an die anderen Spießer anpassen und konnten das Konzert so genießen.
Des Nachts, als wir dann wieder zum Hotel zurück gingen und den Wenzelplatz überquerten wurden wir Zeuge einer Verwandlung. Der Verkehrsreiche, vor Touristen und Taschendieben übervolle Platz verwandelte sich in ein Paradies für Drogenhändler, Bordelle und Cabarets. Immer wieder wurden wir darauf angesprochen, ob wir nicht ficki ficki machen wollen oder Weed haben wollen. Bei ficki ficki habe ich natürlich sofort gewusst, was die Glocke geschlagen hat, bei dem Weed war ich etwas langsamer. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt: Warum will er uns Weizen andrehen? Naja. Irgendwann wurde ich von Joshua spöttend aufgeklärt.
Das war der erste Tag.

Mittwoch: Am Mittwoch waren wir auf dem Hradschin, dem Burgberg. Nachdem wir wirr mit den Straßenbahnen in die Richtung des von weit zu sehenden St.-Veits-Dom gefahren sind, sind wir fast zufällig irgendwann endlich angekommen. Sehr beeindruckend war der schon eben erwähnte St.-Veits-Dom. Der übrigens seit der Zeit des Kommunismus nicht mehr in der Hand der Kirche ist. Fand ich einen witzigen und zu erwähnenden Fakt, zumal der katolischen Kirche diese Tatsache ein Dorn im Auge ist. Dieser beeindruckende Dom ist wirklich sehenswert gewesen, genauso wie der Rest des Platzes der Fensterstürze. Natürlich auch sehenswert das Goldene Gässchen. Golden war da zwar nichts. Warum dies so hieß, blieb mir auch bis zum Ende ein Rätsel. Allerdings war dort auch die Wohnung von Franz Kafka, im Haus 22. Generell war in Prag geradezu ein Kafka-Hype. Man konnte sich T-Shirts, Tassen, Kalender, Figuren, Fahnen sicher auch Kondome und Stuhlproben von Franz Kafka kaufen… Achja. Sein Geschreibsel natürlich in Form von Büchern in verschiedenen Sprachen ebenfalls. Aber wer, will schon seine Bücher, wenn es bedruckte Tassen gibt. Ich schweife ab. Die Goldenen Gässchen. Da war ich stehengeblieben und gehe auch gleich weiter zum Daliborka Turm. Ein sagenumwobener Gefangenturm, in dem dem der aufständische Ritter Dalibor in seiner Gefangenschaft so nett die Geige gespielt haben soll. Aufgrund dieser Sage komponierte Smetana seine Oper Dalibor. Na wenn der gewusst hätte, das das das geigen eher eine Umschreibung der Schreie aufgrund der Folter waren (Der Turm war nämlich ebenfalls eine Folterkammer), stünde er mit seinem Werk ziemlich doof da. Doof da standen wir auch da, als uns ein Tourist auf Englisch anquatschte, wo denn die goldenen Gässchen seien. Ich bemerkte, dass sie auch aus Deutschland kam und bot ihr an, doch deutsch zu sprechen. Das machte sie auch gleich froh. Ich hingegen bereute es, denn sie kam irgendwo aus dem Osten und hatte einen derartigen Dialekt drauf, dass ich doch lieber beim englischen Gestümmel geblieben wäre um sie besser zu verstehen.
Vom Burgberg ging es runter durch die Kleinseite zur Karlsbrücke. Die Kleinseite ist einer schönsten Stadtteile von Prag. Sehr ruhig, mit kleinen Kanälen zwischen den Häusern, bergig und sehr romantisch. Kein Wunder, dass dieser Stadtteile auch gern mal für Filmkulissen genutzt wird.
Über die Karlsbrücke ging es wieder in die Altstadt, wo wir wieder bummelten und uns die Zeit vertrieben. Die Zeit vergeht schnell und es gibt immer etwas zusehen. Wir waren im Palladium, einer großen Mall, in der leider fast nur Kleidungsgeschäfte ansässig waren.
Übrigens waren in Prag generell viele Kleidungsgeschäfte vertreten. Dafür erstaunlich wenig Buchläden oder Elektronikfachgeschäfte. War etwas schade. Dafür wurde man mit Kitsch in allen Ausprägungen entschädigt. Wem Prager Spezialitäten aus Glas und Kristallen gefallen, ist da sicher gut aufgehoben, für mich war das Betreten dieser glitzernden Geschäfte eher eine Qual. Und da in jeder Straße mindestens eins dieser Souvenierläden vorhanden war, kam man nicht drum herum…
Zurück zum Palladium. Oben war eine Fresspassage mit verschiedenen Lokalen. Wir aßen mongolisch und gingen zum Hotel. Dort brachten wir unsere gekauften Sachen hin (Ich hatte mir neue Schuhe gekauft. Warum dieser Fakt für den weiteren Reisebericht relevant ist, weiß ich auch nicht, aber jetzt wisst ihr es. Keine Sorge, es geht interessanter weiter.)
Am Abend gingen wir ins Kino. Da die meisten Filme eh auf englisch laufen oder wenigstens mit englischem Untertitel waren, war es kein großes Problem, wenn man englisch könnte. Als ich aber nach einem Kino “in the near of here” fragte, war es klar: Ich hab ein Problem mit der englischen Sprache. Den Film “Flight” verstand ich trotzdem. Obwohl man kaum auf den Film achten konnte, denn wir waren nicht in irgendeinem Kino. Wir waren in dem Lucerna. Einem in den 1920er errichteter Unterhaltungskomplex. Vor dem Kino war eine Bar mit Musik und Tanz und das Kino selber war wunderschön. Es war noch alles von damals erhalten. Da störte es nichtmal, dass die Prager eine Popcornfreie Kinokultur hatten. Auch die relativ kleine Leinwand war nicht so schlimm, denn das Kino sollte man gesehen haben. Es kam echtes Kinofeeling wie in den 20ern auf. Toll. Unvergesslich.
Das war’s auch schon für den Tag. Weiter gehts

Donnerstag: Wer schonmal auf einem Jüdischen Friedhof war, weiß, dass die Gräber nicht zweimal verwendet werden, sondern man einfach alles aufeinander schüttet. So ist es auch auf dem alten jüdischen Friedhof in Prag. Ein sehr beeindruckendes Gelände. Am Donnerstag haben wir uns also das Jüdische Viertel angesehen und jedem, der in Prag seinen Urlaub verbringen möchte, kann ich ans Herz legen das ebenfalls zu tun. Man taucht ein in eine andere Zeit, wenn man die Gräber und Synagogen betrachtet. Trotz vieler Progrome wurden Gebäude nicht zerstört und somit sind diese absolut sehenswerten Bauwerke noch gut erhalten und können besucht werden. Sehr beeindruckend fand ich das.
Danach ging es zum Altstädter Ring, den wir uns diesmal genauer ansahen. Wir gingen auf den Rathausturm und verschafften uns einen Überblick über Prag. Danach bummelten wir wieder durch die Stadt und entdeckten wieder coole neue Orte. Unter anderem einen Comicladen. Yey! Am Abend waren wir sogar in einer Comicbar, in der ich meinen Lieblingscocktail (Calpi) bis zum Abwinken trank… Danach ist es klar, dass man auf witzige Ideen kommt. Wir wollten zum Supermarkt um Chips zu kaufen… Also gingen wir in einen Stripschuppen. Warum auch immer. Irgendwer kam auf die Idee… Natürlich fiel ich sofort negativ auf, weil ich ein Foto machte. Die “Tänzerin” wies mich bestimmt darauf hin, dass das dies nicht erwünscht ist. Naja. Dafür war erwünscht, dass ich ein Getränk kaufte. 6 Euro für ein 0,2-Glas voller Eis und ein bisschen Fantaplärre. Mist. Und so viel Charme wie dieses Cabaret hier, hatte der Stripschuppen nicht. Kackladen! Also gingen wir wieder.

Letzter Tag: Wir hatten die grandiose Idee, einfach mal in eine Straßenbahn zu steigen und bis zur Endhaltestelle zu fahren. Wir landeten irgendwo in so einer Vorstadt, wo man noch den Ostblock an jeder Ecke und Kante entdecken konnte. Eigentlich eine witzige Idee, und auch da hat man einiges gesehen. Allein die Atmosphäre war recht cool. Naja. Zurück in Prag gingen wir noch duch die coolsten Locations und kaufen Mitbringsel und das war’s dann auch schon. Mit dem Zug zurück, zu Haus angekommen, Ende, aus, fertig.

Das war mein Reisebericht. Prag hat mir super gut gefallen. Auf alle Fälle eine Reise wert!

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